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Ausstellung – «Totentanz mit Diktatoren» Grafikfolge von PETER BECKMANN

Im Totenmonat November in dem tradionellerweise der Verstorbenen gedacht wird, zeigt der Künstler Peter Beckmann aus Bochum unter dem Titel: «Totentanz mit Diktatoren» seine neue Totentanzfolge von 13 Grafiken im «antiquariat peter petrej».

Diese Ausstellung (3. November bis 10. Dezember 2016) soll, passend zur Herbststimmung, uns wieder an die Vergänglichkeit der eigenen Existenz erinnern. Das Leben wird dadurch intensiver, der Konsum unwichtiger.
 

Der deutsche Künstler Peter Beckmann, geboren 1953 in Bochum, wo er lebt und
arbeitet, hat bereits mehrere Totentanz-Folgen nach altem Muster fertiggestellt: 1980 eine Neubearbeitung des «Totentanz von Basel», 1989 «Noch ein Totentanz». Seit 2008 arbeitet Beckmann ausschliesslich zum Thema Totentanz: 2009 «Ein Totentanz der Berge», 2010 «Der Tod und die Mädchen», 2014: «Bauernhochzeit nach Sebald Beham«, 2015: «Der Totentanz der Landsknechte».

«Totentanz mit Diktatoren», Auflage 20 Exemplare. Buchnummer 72738.

Vom mit weitgehenden Vollmachten ausgestatteten politischen Amt in der Zeit der Römischen Republik, das zeitlich befristet war, hat sich der Begriff «Diktator» entwickelt und bezeichnet im modernen Sinn einen unumschränkten Machthaber – der in der Regel über Leichen geht.
Dass zeigt Peter Beckmann in seiner neuen Totentanz-Grafikfolge «Totentanz mit Diktatoren», deren Grundlage Briefmarken mit dem Konterfei diverser Herren sind, kombiniert mit tradionellen Tänzen der jeweiligen Länder.

Vertreten sind tote und leider noch lebende Männer, die alles tun, um an der Macht zu bleiben; Baschar al-Assad und Kim Jong-un sind aktuelle Beispiele. Ausserdem kommen vor: Ceausescu, Chomeini, Franco, Muammar al-Gaddafi, Hitler, Saddam Hussein, Mao Zedong, Mussolini, Pinochet, Stalin, Videla. Die Reihe wäre leider noch fortsetzbar.

Starke Männer erfreuen sich in letzter Zeit wieder vermehrter Sympathie. Nach den klaren Machtverhältnissen bis zum Fall der Mauer ist die Welt unruhiger geworden, und vielen Menschen erscheint die Führung durch einen «guten Diktator» wie etwa Putin als akzeptable Regierungsform.
Sieht man sich das Chaos an, das nach dem Sturz der jeweiligen Alleinherrscher in Libyen und dem Irak ausgebrochen ist und das unzählige Opfer gefordert hat (und täglich noch fordert), da fragt man sich, ob der Sturz dieser Leute – im nachhinein das kleinere Übel – nicht der falsche Weg war.
Würde man Anlog zu Schirachs «Terror» rückblickend ein Verfahren über Saddam Hussein und Gaddafi  einleiten und die BürgerInnen abstimmen lassen, ich bin sicher, diese würden freigesprochen werden. Das, was danach folgte, ist viel schrecklicher und mörderischer.

So ist Peter Beckmanns «Totentanz mit Diktatoren» nicht nur eine Anklage, sondern stellt auch die Frage, ob der Export unserer jungen Demokratie in andere Weltgegenden mit anderen Lebensumständen nicht eine Überforderung für diese Länder darstellt.
Schaut man auf die Schweiz, die noch 1847 im Sonderbundskrieg ihre Meinungsunterschiede kriegerisch ausgetragen hat, wobei es zu ca. 100 Toten und etwa 500 Verletzten kam, so sollten wir etwas sensibler sein, was den Export dieser Regierungsform geht. Von den anderen Ländern gar nicht zu reden.
Und schaut man sich die Stimmbeteiligung der letzten Jahre an, da fragt man sich, ob nicht viele auch bei uns, einen «guten Diktator» gut ertragen würden, solang es Ihnen wohl ist und die nächsten Ferien garantiert sind.
Und wenn wir ganz ganz ehrlich sind, so ist unsere Regierungsform doch ein wenig Folklore, sind doch Banken und Grosskonzerne mit Ihren Lobbyisten die wahren Lenker dieses Landes. Und nicht die BürgerInnen, die den Stimmzettel einwerfen.

Aber vielleicht ist das Elend der Diktatur die Grundlage eines Wandels zu einer menschlicheren Gesellschaftsform.
Beckmanns Grafiken sollen einen Denkanstoss zu dieser Frage geben!

 

 

 

LADENPORTRAIT - "Bücher am Sonntag" vom 31. August 2014, Beilage zur "NZZ am Sonntag"


1993 - 2013, 20 Jahre «antiquariat peter petrej»

Eine kleine Ladengeschichte.

Als ich 1984 im damals grössten Antiquariat der Stadt Zürich «Das gute Buch» an der Rosengasse, bei Sigismund Seidenberg, meine Lehre als Antiquarsgehülfe begann, wusste ich noch nicht, dass ich mich dort mit dem Virus der Bibliophilie infizieren würde. Dieser Infekt führte dann Mitte 1992, nach langen inneren Kämpfen und einem Pilgermarsch nach Santiago de Compostela, zum Erwerb einer abgewirtschafteten Buchhandlung im Kreis 6 in Zürich.

Aus der Buchhandlung wurde nach der Renovation ein Antiquariat, das nun seinen 20. Geburtstag feiern darf.

Da es um meine Finanzen damals schlecht stand, durfte ich die interessante Erfahrung machen, dass, wenn man von etwas beseelt ist, sich immer Leute finden, die einem Geld leihen. Bekannte waren oft spendabler als enge Freunde, die des öfteren um ihre Investition fürchteten. 10 Jahre später war nach schwierigen Lernprozessen alles abbezahlt.

Zu Beginn arbeitete ich aus Gründen der finanziellen Sicherheit noch 50% als Maschinenbaukonstrukteur, meinem erlernten Beruf. Von Anfang an war ich darum auf loyale MitarbeiterInnen angewiesen. Chef sein ist wahrlich nicht einfach und das Erlernen dieser Funktion war ein für alle Beteiligten teilweise belastender Prozess. Ich bin aber stolz darauf sagen zu dürfen, dass mich mit den meisten der langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Und einer davon, und das freut mich ganz besonders, betreibt heute erfolgreich das einzige Sportantiquariat in der Schweiz.: www.sportantiquariat.ch

Seit der Gründung meines Buchantiquariates hat sich das Antiquariatswesen massiv verändert. Die meisten Ladengeschäfte mussten aufgrund des Aufkommens des Internets zu Versandantiquariaten umfunktioniert werden. Die steigenden Ladenmieten haben das ihre dazu beigetragen, dass immer mehr Läden verschwinden und Antiquariate von Wohnungen oder Lagerräumen aus betrieben werden. Oder das Gewerbe ganz aufgeben.

Und wenn Kunden nicht ins Geschäft kommen, weil online zu Bestellen so bequem ist,  muss man eben zu ihnen gehen. Seit 8 Jahren versenden wir regelmässig Newsletter mit aktuellen Neueingängen, was von den Kunden sehr geschätzt wird.

Da die Liegenschaft, in dem sich das Antiquariat heute noch befindet, jetzt wie üblich meistbietend verkauft worden ist, findet die Aera meines Ladengeschäftes vermutlch ein unerwartetes Ende.

Kultur und Profitmaximierung schliessen sich eben aus, wie die Entwicklung zeigt.

Besuchen Sie uns im Laden, wir freuen uns.

PS: Und natürlich KAUFEN wir trotzdem gerne seltene Einzelwerke oder ganze Bibliotheken an.

 

 

 

 

 

GEDANKEN eines melancholischen Antiquaren zum ANTIQUARIATSGEWERBE.

DATENBANKEN

Datenbanken als Dienstleister tun so, als wären diese der Handel selbst und verdienen sich als das «weltweit größte Online-Antiquariat» ein goldenes Näschen (Einstellgebühren und Provisionen) am unternehmerischen Risiko und dem Wissen, das sich Antiquare in jahrelanger, andauernder Aus- u. Weiterbildung erarbeitet haben.

Natürlich ist es praktisch ein gesuchtes Buch rasch zu finden, aber man darf dabei andere Aspekte nicht ausser Acht lassen.

 

PREISZERFALL

Aufgrund des Überangebotes im Internet findet ein richtiger Preiskampf statt und Preise,  auch von seltenen Büchern, tendieren seit Jahren nach unten.

Das freut die Kunden beim Kauf, jedoch erweist sich das dann beim Verkauf einer Sammlung als Bumerang, den dann erhalten diese nur noch wenige Fränkli für die jahrelang liebevoll zusammengesuchten Bände (Ausser natürlich es handelt sich um wirklich exquiste Kostbarkeiten).

In Deutschland gibt es seit einigen Jahren eine Firma, die Bücher mit ISBN-Nummern portofrei ankauft. Sie geben die Nr. in ein Programm ein und dieses sagt ihnen dann, was gezahlt wird. Die Titel werden dann beim angeblich grössten Buchhändler eingestellt und mittels Preisroboter täglich dem Markt angepasst. Immer einige Cents billiger als die Konkurrenz.

Dass ein seriöser Ankauf so nicht mehr möglich ist, versteht sich von selbst.

 

BERUFSWANDEL

Antiquar kann sich heute jeder nennen, der einige Bücher im Keller stehen hat. Und so sehen auch die Buchbeschreibungen ihres Angebots aus. Jede zweite Bestellung bei einem dieser «Kollegen» muss von uns retourniert werden, weil das Buch einfach nicht der Beschreibung entspricht. Letzthin erhielt ich ein illustriertes Buch ohne die darin enthaltenen Bildtafeln. Der «Kollege» riet mir dann, nachdem ich ihn überzeugen konnte, dass das Buch nicht komplett sei, zur Vernichtung des Buches.

 

LADENMIETEN

Unzählige Antiquare haben sich in Ihre Wohnung oder ins Lager zurückgezogen und betreiben das Geschäft von dort aus. Oder hören auf. In Deutschland ist dieser Prozess schon weit fortgeschritten, die Schweiz holt auf. Wer CHF 9000.– für ein 80 m2 grosses Ladenlokal an der unteren Kirchgasse zahlen muss, kann das nur, indem er ein bisschen Drogengelder wäscht.

An den Geschäften der Zürcher Altstadt lässt sich dies immer mehr ablesen. Dubiose Kleiderläden, Touristenkneipen, Bars etc.

Die Ladenmieten in den Zentren werden nicht nur für Antiquare immer mehr zu einem grosses Hindernis.  Ein Stück Kultur scheint dadurch allmählich zu verschwinden.

 

WERTEWANDEL

Sammeln von Büchern ist nicht en vogue. Mit einer Bibliothek, im Gegensatz zu Bildern kann man niemanden überraschen. Das Buch ist ein Medium der Langsamkeit,  kann also nicht rasch aufgenommen werden, sondern braucht Stunden um sich bei der Lektüre zu offenbaren.

Der Zerfall der Ideale des Bildungsbürgertums und die Oekonomisierung der Bildung - gelernt wird was rasch Geld bringt – sind weitere Faktoren.

 

FEHLENDER ANTIQUARENSTOLZ UND KEINE LOBBY

Antiquare sind Individualisten und tun sich schwer gemeinsam für ihre Belange einzustehen. Futterneid und unsinniges Konkurenzdenken sind weitere Gründe das der Antiquar im gesellschaftlichen Leben keine Rolle spielt. Und die «Vereinigung der Buchantiquare u.

Kupferstichhändler in der Schweiz», VEBUKU, tritt in der Oeffentlichkeit nicht auf und betreibt auch keine Lobbyarbeit.

 

GESCHLECHTERTRENNUNG

Frauen tauchen im Antiquariatsgewerbe marginal auf. Es ist ein Geschäft von mittelalterlichen Männern für ebensolche Kunden. Kundinnen kann man an der Hand abzählen. Oder kennen Sie eine Büchersammlerin?

 

AUKTIONIEREN

Im Zeitalter der totalen Oekonomisierung lassen Buchbesitzer oder ihre Erben die lukrativen Bücher lieber vom Auktionshaus abholen. Gezahlt wird erst nach erfolgter Auktion, abzüglich des Aufgeldes. Wobei nicht mal sicher ist, ob die Bücher einen Käufer finden.

Nicht so beim Antiquaren, der alles mitnimmt und sofort zahlt. Dieser Betrag ist manchmal sogar höher als die bei Auktionen erzielten Ergebnisse. Sind doch an Auktionen in erster Linie Händler vertreten und diese haben kein Interesse an hohen Ankaufspreisen.

Nachdem das Auktionshaus die «Rosinen» herausgepickt hat, wird für den restlichen Bestand ein Antiquar kontaktiert. Für diesen ist es aber jetzt nicht mehr attraktiv, da die sowohl vom bibliophilen wie oekonomischen Standpunkt interessanten Werke weg sind.

Oder die Erben des Bücherfreundes auktionieren das Ganze selber auf einer der entsprechenden Internetplattformen.

 

BROCKENHÄUSER

Ob von karitativen Institutionen oder von Privatleuten geführte Brockenhäuser, auch diese graben den Antiquaren das Wasser ab. Kein selbständiger Antiquar kann gegen derlei tiefe Buchpreise (aufbauend auf Gratisarbeit oder Löhne, die das Arbeits- oder Sozialamt bezahlt) bestehen.

Also beschränkt sich der Antiquar auf die teureren Stücke, was zur Konsequenz hat, dass auch Angestellte überflüssig werden. Hatten wir früher 3 Teilzeitkräfte, ist es heute nur noch eine einzige.

 

RESUMEE

Die Antiquare betreiben ein dahinsiechendes Gewerbe, dass nicht in der Lage ist, Antworten auf die drängenden Fragen im Zeitalter des Internets zu finden.

Es wäre nicht der letzte Beruf der die gesellschaftliche Entwicklung nicht überleben kann. Aber wäre es ein kultureller Verlust?

Freundlichen bibliophilen Gruss, Peter Petrej





  
  

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